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Schekar-e Parvane-ha

 

 

Schmetterlingsjagd

 

 

Für Dariusch und Parwaneh

Sie kam vom Einkauf zurück, als ihr Mann gerade die Zeitung las. Wortlos betrat sie die Küche, stellte ihre Einkäufe ab, ging zurück zur Spiegelkommode, zog ihren weinroten Mantel aus und hängte ihn auf; nur das dunkle Kopftuch nahm sie nicht ab. Dann setzte sie sich zu ihrem Mann.

„Hast Du eingekauft?“

„Ja.“

Ihre Stimme zitterte. Ihre Augenwinkel schimmerten feucht und mit offenem Mund blickte sie unverwandt auf ihren Mann.

Sie hätte gern mit ihm geredet, doch fürchtete sie, ihn zu beunruhigen. Dann sah sie, dass ihr Mann gar nicht in der Zeitung las.

Er hielt sie lediglich vor sein Gesicht, um sie anzustarren, oder bemühte sich, sich hinter ihr zu verbergen.

Deshalb sagte sie mit erstickter Stimme: „Vorhin sagte der Nachbar, es seien zwei Fremde gekommen und hätten nach Dir gefragt.“

Ihr Mann antwortete nicht und blieb völlig regungslos hinter seiner Zeitung versteckt. „Ich habe Angst … ich mache mir Sorgen, erst diese belästigenden Anrufe und dann das von heute!“

Sie beugte sich zu ihm und legte ihre Hände auf seine Arme.

Er konnte das Zittern ihrer Hände fühlen, legte die Zeitung beiseite und nahm die Finger seiner Frau in die Hände: „Du brauchst dich nicht zu ängstigen.

Es wird nichts passieren.“

„Lass uns ein paar Tage wegfahren. Wir könnten doch zu …“

„Nein. Das würde doch auch nichts ändern ... und was danach?“

„Dann sprich mit der Polizei …“

Er lachte bitter auf und ließ ihre Finger los, stand auf und ging in sein Arbeitszimmer im Souterrain. Seine Frau blieb allein. Ein Gefühl der Sprachlosigkeit überkam sie. In ihrem ganzen Leben hatte sie sich noch nie so allein und schutzlos gefühlt. Bleierne Schwere kroch ihr vom Herzen her hoch und blieb ihr im Hals stecken, so dass sie nicht einmal mehr in der Lage war zu schlucken. Sie wusste nicht, was sie tun sollte. Im Haus herrschte Stille, nur das Geräusch des Kühlschranks, der leise vor sich hin surrte, war zu vernehmen.

Sie dachte eine ganze Weile nach, stand auf, ging ans Fenster und schaute nach draußen. Der trübe Schein der Straßenlaterne beleuchtete einen Teil des Bürgersteigs. Unter der Laterne standen zwei Männer und rauchten Zigaretten. Sie dort stehen zu sehen, hinterließ ein ungutes Gefühl in ihr. Auf dem Gesicht des einen Mannes konnte sie eine Narbe erkennen oder etwas, was dem zumindest ähnlich zu sein schien und das unter dem Schein der Lampe aufblitzte. Nur um sich selbst ein wenig Mut zu machen,

schloss sie die Augen und begann vor sich hin zu summen:

Eines Tages,

vielleicht eines Tages,

wenn die Sonne das silberne Haar des alten Damowands zärtlich streichelt,

wenn laut der prasselnde Regen

in der sachte streichelnden Brise des Frühlings,

Eines Tages,

vielleicht, kehrt die Liebe in Begleitung der Schwalbe auf ihrem Flug

kehrt das Lächeln zurück in meine verbrannte Heimat,

klopft die Hoffnung an die Tore

und helles Licht nimmt den Platz aller Dunkelheit ein.

An jenem Tag

werde ich kein Schwarz

für die Toten tragen

auch wenn sie mir die Liebsten sind.

Erneut warf sie einen Blick nach draußen. Die beiden Fremden waren gegangen und auf der Straße war niemand zu sehen. Erst jetzt fiel ihr ein, dass sie ihre Einkäufe noch verstauen musste. Mit einem Gefühl dumpfer Bedrückung, das sich ihrer bemächtigt hatte, ging sie in die Küche, als ihr Blick auf den Berg schmutzigen Geschirrs fiel. Noch immer war sie ganz durcheinander. Sie öffnete den Kühlschrank und nahm eine Flasche Wasser heraus. Die Gläser waren alle schmutzig und mangels Alternativen griff sie nach einer Schüssel. Sie trank ein wenig Wasser und stellte die Schüssel zu den schmutzigen Gläsern. Den Drang abzuwaschen verspürte sie nicht. Schlimmer noch quälte sie der Klang der Wassertropfen, die fortwährend auf das schmutzige Geschirr tropften und dabei wie Nadeln auf ihren Kopf einstachen. Ihr Blick fiel auf den Boden der Küche, auf den ihre Schürze gefallen war. Seit ihre Gäste gestern Abend gegangen waren, hatte sie nicht mehr gespült. Doch es zog sie nichts zu ihrer Hausarbeit und sie fühlte sich zerknittert wie die Schürze. Sie bemerkte nicht wie die Zeit verging. Irgendwann beschloss sie, zunächst ihren Einkauf zu verstauen und sich dann dem Geschirr zu widmen.

Sie holte zunächst die Nahrungsmittel aus den Plastiktüten und legte sie in den Eisschrank. Dann nahm sie einen Teil des Obstes, wusch es, brachte es ins Wohnzimmer und stellte es auf den Esstisch.

Schließlich holte sie das Fleischbrett, um das Fleisch in Portionen zu teilen. Ihr Mann aß gerne rotes Fleisch, doch sie selbst bevorzugte Huhn.

Sie nahm das Schulterstück, das sie gekauft hatte und legte es auf das Brett. Jetzt erst bemerkte sie, dass der Metzger noch ein Rippenstück und Nieren darauf gelegt hatte. Außerdem klebten am Fleisch Stücke von geronnenem Blut. Leise vor sich hin murmelnd, bedachte sie den Metzger mit Verwünschungen. Dabei nahm sie das Messer mit dem schwarzen Griff aus der Schublade und machte sich über das Fleisch her. Während sie die Sehnen, das Fett und das geronnene Blut vom Fleisch trennte, sprach sie mit sich selbst. „Was wollen sie bloß von uns? Was werfen sie uns denn vor, außer Vaterlandsliebe?“ Ihre Augen füllten sich mit Tränen und schließlich begann ihre Nase zu laufen. Während sie arbeitete, rieb sie sich immer wieder mit dem Ärmel über die Nase, um sodann das Fleisch weiter mit dem Messer klein zu schneiden.

Das Klingeln des Telefons ließ sie derart zusammenzucken, dass sie sich mit dem Messer in die Hand schnitt. Blut tropfte auf das Schneidebrett. Sie ließ das Messer los, nahm einen Verband aus dem Schrank und versorgte ihre Wunde. Sie wollte nicht zum Telefon gehen, denn sie fürchtete sich vor den ständigen Belästigungen. Doch als sie die Stimme ihres Mannes hörte, schöpfte sie ein wenig Mut.

„Hallo … Geht es Dir gut, mein Kind?“

Sie holte tief Luft und setzte sich auf einen Stuhl.

„Aber nein, warum sollte ich Angst haben … sterben kann ich nur einmal, nicht hundert Mal! Glaube mir, ich sage die Wahrheit … nein …. nein ….. wir passen schon auf uns auf.“

Der Kloß in ihr löste sich und sie begann zu schluchzen.

„Ihr stört doch nicht! Wenn ihr kommt, freuen wir uns natürlich … Es täte uns beiden gut … nein, nein. Jetzt geht es ihr gut. Willst Du mit ihr sprechen … ich gebe sie dir.  Wir sehen uns dann morgen. Mach’s gut.“

Sie versteckte die verletzte Hand mit dem blutenden Verband hinter ihrem Rücken, damit ihr Mann sie nicht sah und beeilte sich zum Hörer zu kommen. Ihr Mann machte ihr den Weg frei und ging zur Seite.

„Hallo, mein Liebe.“

Noch immer war ihre Stimme belegt und sie sprach nur mit Mühe: „Nein, ich habe ihm seit heute Morgen nicht erlaubt, auch nur einen Fuß vor die Tür zu setzen … aber ich habe Angst. Seit Tagen, ständig diese seltsamen Anrufe, unangenehme Leute. Nein Liebes, ihr könnt doch nicht immer bei uns bleiben. Ihr habt schließlich Euer eigens Leben, seid beschäftigt … wann? Morgen … wenn ihr kommt, gut, dann warten wir auf euch … ja, geh nur mein Kind, bis morgen.“

Als sie zurückging, sah sie wie ihr Mann vor dem Spiegel stand und sich seine Koteletten und den dichten Schnurrbart kämmte. Sie ging auf ihn zu und fragte ängstlich: „Wohin willst Du? Hattest du nicht versprochen vorläufig nicht mehr aus dem Haus zu gehen?“

„Ich gehe nirgends hin, ich muss nur die Abendzeitung kaufen.“

„Warum hast Du nichts gesagt? Ich war doch vorhin einkaufen und hätte sie doch mitbringen können.“

Ohne auf eine Antwort zu warten schob sie ihn beiseite, zog ihren Mantel an und machte sich auf den Weg. Ihr Mann murmelte etwas vor sich hin und ging ungehalten eine Etage tiefer.

Bevor sie das Haus verließ, hatte sie noch einen Blick in den Spiegel geworfen und war sich mit der Hand übers Gesicht gefahren. Sie war blass, als habe man ihr eine Totenmaske übergezogen.

Da sie nicht länger warten wollte, zog sie sich schnell die Schuhe über und verschwand. Als sie die Tür und die Knöpfe ihres Mantels schloss, murmelte sie: „Gott sei dank hat er wenigstens diesmal kein Theater gemacht.“

Sie ging, so dass niemand sie bemerkte und ohne, dass ihr ein bekanntes Gesicht begegnete, auf dem Bürgersteig in Richtung Zeitungskiosk. Ein schneidender Wind war aufgekommen und um sie herum war es dunkel und menschenleer. Noch immer brannte ihre Schnittwunde und sie steckte die Hände in die Tasche ihres weinroten Mantels, damit sie weniger schmerzten. Kurz bevor sie den Zeitungskiosk erreichte, bemerkte sie plötzlich, dass sie vor lauter Aufregung ihr Portemonnaie liegen gelassen hatte. Sie machte auf der Stelle kehrt und ging wieder zurück zum Haus. Vor der Haustür blieb sie einen Moment stehen und holte einige Male tief Luft, dann erst holte sie den Schlüssel aus ihrer Tasche. Leise öffnete sie die Tür. Es war still und das Haus lag im Halbdunkel. Nur die rote Lampe in der Küche brannte. Ein rotes, trübes Licht fiel einer Krake gleich auf die gegenüberliegende Wand. Im Keller brannte Licht, woraus sie schloss, dass ihr Mann dort arbeitete. Leise ging sie zum Spiegelschrank, um ihr Portemonnaie zu holen. Sie hatte die Schublade noch nicht heraus gezogen, als sie den Schatten von jemandem an der Wand sah, so als habe er einen Buckel gemacht. Vor Angst stockte ihr der Atem, sie konnte nicht einmal mit der Wimper zucken. Dann fühlte sie wie sich eine raue Pranke auf ihren Mund legte und eine kalte, ruppige Stimme an ihr Ohr drang: „Keinen Mucks!“ Sie gingen in die Küche. Als sie am Spiegel vorbeikamen konnte sie das Gesicht des Mannes deutlich sehen. Die tief liegenden Augen blitzten bedrohlich auf. Er hatte einen groben, dichten Bart. Doch mehr als das, erschreckte sie die riesige, runde Narbe, geformt wie der Flügel einer Grille, die quer über die linke Wange lief.

In der Küche musste sie sich auf einen Stuhl setzen. Vor Angst zitterte sie am ganzen Körper. Sie konnte den Fremden nicht einmal ansehen. Dann schluckte sie einige Male und flehte mit schluchzender Stimme: „Was wollt ihr von uns? Wo ist mein Mann?“

Er grinste breit und sagte: „Es ist nichts. Wir hatten etwas mit ihrem Mann zu erledigen. Das ist aber alles schon erledigt.“

Er hatte den Satz noch nicht beendet, als ein anderer auftauchte, sich einmischte und sagte: „Niemand will etwas von Ihnen, und Ihrem Mann geht es gut.“

Sie starrte ihn mit verängstigten Augen an, während sie ihren Hausschlüssel fest in der Faust vergrub. Dieser war groß und bullig mit einem Gesicht wie ein Hai.

Er hatte wulstige Lippen und seine Unterlippe war nach außen gestülpt. Dabei sah er aus, als wolle er alles um sich herum verschlucken.

„Können Sie bitte meinen Mann rufen?“, fragte sie. Der Mann mit dem haiähnlichen Gesicht sagte nichts. Er drehte sich von ihr ab, wandte sich seinem Freund zu, der das Messer mit dem schwarzen Griff in der Hand hielt und sagte: „Wozu hast Du das Messer genommen? Was willst Du damit tun?“

„Ich wollte ihr das Fleisch klein schneiden.“

„Lass das Messer und komm lieber, wir müssen gucken, was noch zu tun ist!“

Der Narbige legte das Messer auf den Küchenschrank und blieb dort stehen. Sie dachte der Mann mit dem haiartigen Gesicht sei besser als sein Freund und mit ihm könne man eher reden. Sie fuhr sich einige Male mit der Zunge über die Lippen und sagte: „

Wenn Sie uns gehen lassen, geben wir Ihnen, was immer sie wollen. Gold, Juwelen, Schmuck und wir haben auch etwas gespart, es ist nicht eben viel, aber …“

„Gute Frau, wer hätte je gesehen, dass die Beute den Jäger bestochen hätte“, sagte der Narbige. Ihre Kehle brannte, der kalte Schweiß brach ihr aus und lief ihr über den ganzen Körper. Sie wusste nicht, was sie tun sollte und blickte verängstigt im Raum hin und her. Ihr Blick fiel auf die Tür des Kühlschranks, die halboffen stand. Sie war sich sicher, dass sie sie geschlossen hatte, bevor sie das Haus verlassen hatte. Doch so schnell wollte sie die Hoffnung nicht aufgeben. Mit großer Anstrengung sagte sie: „Die Herren wollen uns doch kein Unglück antun?“ Niemand antwortete ihr. Doch die Frau hatte wieder ein wenig Mut gefunden und beteuerte erneut: „Ich schwöre bei Gott, wir haben nichts getan. Mein Mann und ich lieben dieses Land. Wir achten das Recht und haben uns bisher keines Unrechts schuldig gemacht.“

„Das ist richtig, gute Frau. Es muss immer jemanden geben, der die anderen kontrolliert, damit keiner einen Fehler macht. Wieder war es der Narbige gewesen, der antwortete. Die Frau wusste nicht, an was sie die Narbe des Mannes erinnerte, doch er hatte in ihr eine nie gekannte Angst hervorgerufen. Sie wollte sein Gesicht nicht ansehen. Mit gesenktem Kopf sagte sie: „Gott … Gott weiß, was wir für dieses Land …“

„Nein, ich weiß etwas. Und das wäre folgendes: Es spielt keine Rolle, was du tust, ob du jemanden ermordest oder etwas stiehlst. Wesentlich ist, dass Du es für Gott tust. Wie sehr du auch dieses Land liebst, oder das Recht achtest, ist bedeutungslos. Der Tod ist der Weg Gottes, ist Gottes Gedicht und das einzige Recht ist Gottes Wort.

Sie wollte dem Mann mit dem Haigesicht sagen, dass auch sie an Gott glaube, sie wollte sogar sagen, dass sie stets betete, aber es kam kein Laut über ihre Lippen.

Im selben Augenblick hörte sie ein Krächzen und Jammern aus dem Keller. Sie schrie plötzlich auf und rief: „Oh mein Gott! Mein Mann … was habt ihr mit ihm gemacht?“

„Nichts, wir haben nur das Urteil vollstreckt.“

Die Frau begann zu weinen und ihre Stimme wurde lauter. Dieses Mal mischte sich der Mann mit dem haiartigen Gesicht ein und schrie: „Sei still, Weib. Halt’s Maul.“

Obwohl ihre Stimme leiser wurde, konnte sie ihr Schluchzen nicht unterdrücken. Nach einer Weile begann sie mit zitternder und weinerlicher Stimme zu flehen. Ohne ihr zuzuhören machte der Mann mit dem haiähnlichen Gesicht seinem Freund ein Zeichen und ging hinaus. Dann kam der Narbige auf sie zu, beugte sich zu ihr herab und starrte sie an, als wolle er sie gleich anspringen. Grenzenlose Angst wurde in ihren glanzlosen Augen sichtbar. Sie konnte nichts machen. Der Narbige grinste sie hämisch an und kam einen weiteren Schritt auf sie zu. Jetzt stand er fast vor ihr. Zum ersten Mal betrachtete die Frau sein Gesicht genauer. Entsetzlicher als seine geröteten Wangen wirkte seine Narbe, die wie der Flügel einer Grille über das Gesicht blitzte. In diesem Moment fiel ihr ein, woran sie die Narbe erinnerte. Erinnerungen an ihre Kindheit wurden in ihr wach und lebendig. In ihrer Nachbarschaft lebte ein Junge in ihrem Alter, der das Zirpen der Grillen verabscheute. Doch weil er sie nicht fangen und zum Schweigen bringen konnte, fiel er über die Schmetterlinge her. Er hatte es sich zur Aufgabe gemacht, hinter ihrem Garten Schmetterlinge zu fangen. Und wenn er einmal Langeweile verspürte, ärgerte er die Mädchen. Einmal hatte er auch sie geschnappt und sie heftig an den Haaren gezogen. Es waren diese Gedanken, die ihr durch den Kopf gingen, als sie das Messer mit dem schwarzen Griff über sich aufblitzen sah und ein brennender Schmerz ihren Körper durchfuhr. Sonst nichts. Dann dröhnte es dumpf in ihren Ohren. „Wenn du ein wenig später gekommen wärst, wärest du nicht in dieser misslichen Lage.“

Sie fiel auf den Boden der Küche und wälzte sich in ihrem Blut. Doch noch konnte sie sie sehen. Der Mann mit dem haiähnlichen Gesicht ging auf seinen Freund zu. Dann standen sie zu zweit vor ihr. Diesmal sagte der Narbige mit ernster Stimme: „Und was sollen wir ihm jetzt sagen?“

Der Hai antwortete nicht. Unentschlossen standen sie vor der Leiche der Frau. Kein Geräusch war zu vernehmen. Das plötzliche Klingeln des Telefons ließ beide zusammenfahren. Sie gingen aus der Küche zum Telefon. Noch bevor der Anrufbeantworter ansprang, nahm der Hai den Hörer ab. Der Narbige kam ganz dicht an seinen Freund, um zu hören, wer der Anrufer war.

„Alles vorbei, Chef, ja, er hat es hinter sich, aber …“

Das Narbengesicht wurde still und zum ersten Mal verfinsterte sich sein Gesicht. Dann sagte er mit erstickter Stimme: „Chef, wir waren gezwungen auch seine Frau zu erledigen … anders ging es nicht. Sie hatte uns gesehen … muss ….“

Der Narbige glaubte die Leitung sei unterbrochen worden, weil sein Freund den Hörer behutsam auflegte. Dann schaute er seinen Freund mit kalten Augen an und sagte ganz ruhig: „Soweit die Antwort des Chefs.“

Wieder begann der Narbige zu grinsen, als habe ihm die Antwort gefallen und sagte: „Was für eine sture Person.“

Ohne seinen Freund noch einmal anzusehen antwortete der Hai: „Sie hätte am Leben sein können, wenn sie ihr Portemonnaie mitgenommen hätte und uns  nicht gesehen  hätte.“


 

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