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Untergang der Revolution
(Finsternis am Tag)
Gestehe,
ich habe nichts zum Gestehen.
Doch, Du musst,
nein, ich habe nichts.
Der erste Vernehmer, der ständig den Stock in
seiner Hand hin und her schob, nahm ins
Kreuzverhör.
Ich schwieg.
Der zweite Vernehmer schaltete sich ein. Er war
ruhiger.
Er sagte mir gelassen, dass es andere Methoden
gibt, mit welchen er mich zum Reden bringen
könnte. Es wäre aber ratsam, wenn ich selbst
zugebe und den Namen meiner Freunde nenne, fügte
er hinzu.
Ich bestand erneut auf mein Wort, nichts zum
Gestehen zu haben . Das schien ihnen aber nicht
genügend zu sein. Sie wollten, dass ich meine
Verbindungen und meine Mitgenossen verpfeife.
Mein Mund war trocken und mir dregte sich alles
vor Augen. Schlimm war die Augenklappe aus Stoff,
die den Druck und den Schmerz an meinen Augen
herbeifügrte. Der Druck dieser Augenklappe war
so Schmerzhaft, als ob tonnen von Dunkelheit,
auf den Pupillen meiner Augen lasteten, Es war
die vierte Vernehmung. Ich hatte das Gefühl,
dass die Vernehmer etwas abgespannt waren, da
sie mich nicht so wie früher, hart behandelt
haben. Ich wusste aber nicht, weshalb sie mich
nicht in Ruhe ließen. Ich war zumindest froh,
nicht gefoltert worden zu sein. Ich habe
kontinueirt, um ein Glas Wasser gebeten. Der
zweite Vernehmer, stand auf und ging hinaus.
Er kam mit einem Gals Wasser wieder herein. Es
war nötig nachzudenken. Ich wusste noch immer
nicht, wer mich denunziert haben könnte. Ich war
sicher, dass niemand über meinen Fortgang
informiert gewesen war, außer Abdi. Obwohl er
ein ,,Passdar,,
(1)
war, war er aber mein bester Freund, auf den ich
mich immer verlassen konnte. Abdi, Kamal und
ich sind in einem Wohngebiet aufgewachsen.
Was war der Grund, den Iran zu verlassen?
Ich wollte studieren.
Erwarten Sie, dass wir Ihnen glauben?
Wiederholt sagte ich, ich sei ein Student
gewesen,
ich wurde gesäubert. Meine Unterlagen befinden
sich im Koffer, fügte ich hinzu. Nein, er will
nicht hören.
Er fragt wieder: Auf wessen Anweisung wolltest
du fliehen, nenne den Namen des Mittelmannes und
mach damit Schluss.
Ich kenne keinen Mittelsmann. Niemand wusste
davon, erwiderte ich.
Warum wolltest du um Asyl ersuchen?
Asylgesuch – Nein das ist nicht wahr, sagte ich.
Wir wissen alles, sagte der Vernehmer, Wir haben
auch Zeugen.
Es ist besser, dass du selbst sprichst,
Ich weiß nicht, was überhaupt Asylgesuch bedeute.
Na gut, ich zeige es dir gleich.
Ich dachte, er wollte mich schlagen. Ich sank
meinen Kopf in die Brust und guckte seitlich.
Ich sah den Schatten einer Person.
Zweifellos war dieser Schatten die Anwesenheit
einer
3.
Person. Ich konnte von vorne rein ahnen, wer es
gewesen sein könnte. Ich war aber nicht sicher.
Weshalb blieb er still und sagte nichts?
Vielleicht war er da, um die Arbeit dieser
beiden Vernehmer zu beaufsichtigen?
Der Vernchmer schwätzte dauernd in einer Tour
und sprach von den Aktivitäten, der
oppositionellen Kräfte, im Ausland. Ich saß und
blieb wieder still. Der zweite Vernehmer, der
auf einem Bett gesessen hatte, sagte: Vergesse
die Nittelsmänner. Nenne deine Freunde.
Welche Freunde, fragte ich.
Die Antirevolutionäre,erwiderte der Vernehmer.
Solche Freunde habe ich nicht.
Dann rede Über deine Hezbullahs – Freunde.
Ich bin erschüttert. Sofort dachte ich an Abdi.
Vor der Festnahme war er bei mir, um mich zu
besuchen. Ich hatte das Gefühl, dass er hagerer
geworden ist. Er war auch ein bisschen blass. Er
befand sich im keiner guten Verfassung. Seine
breite Stirn glänzte durch die Schweißperlen.
Ich blickte in seine Augen. Er sank seinen Kopf.
Vielleicht hat er meinen Blick nicht ausstehen
können. Ich weiß nicht, wie viel Zeit
verstrichen ist, als er gelächelt und gesagt
hat: Willst du vielleicht zu den anderen gehen,
die besser sind als wir?
Ich sagte nichts. Ich wurde aber besorgt. Sein
Tonfall war stechend und schneidend. Ich habe es
empfunden, als ob ein schneidiger Dolch meine
Seele berührte.
Die Stimme des Vernehmers riss mich aus meinen
Gedanken ’’rede, wir hören zu’’,
Ich simulierte, ihn nicht verstanden zu haben.
Seufzend fuhr ich fort: Ich habe keinen
Hezbullah - Freund. Dann spreche über die
Freunde deiner götttlichen Liebe. Ich blieb
still. Ich wusste nicht, was ich sagen sollte.
Erneut schrie er mich an und sagte: Rede.
- Nenne deine Freunde.
Kaum war ich dabei, eine Antwort zu geben,
unterbrach er mich und fragte jähzornig, nach
meiner organisatorischen Gesinnung.
Mit seinen neuen Fragen, die er kontinuierlich
stellte, überrumpelte er mich. Ja, Manometer,
rede endlich und weiche nicht aus.
Ich vermute, dass er versucht mich aus der
Konzentration zu bringen. Ich bekam mit, was er
mit mir vorhatte. Natürlich versuchte ich die
Kontrolle nicht zu verlieren. Über sien
Spielchen habe ich lachen müssen. Er brüllte und
erwidert: Gestehe, du ’’Antirevolutionär’’.
Erbost legte er das Lineal oder den Stock auf
meinen Kopf und schrie: Gestehe.
Mein Kopf tat weh. Ich legte meine Hand auf
meinen Kopf.
Ungewollt und vor lauter Schmerz sagte ich: Ja,
ich bin ein Gegner der Revolution.
Mit leiser Stimme, wandte er sich an mich und
fügte hinzu: Ich frage dich zum allerletzten
Mal.
Aus lauter Angst vor seinen erbosten Augen, war
mein Gesicht überhitzt. Ich wusste nicht, wie
ich reagieren sollte. In diesem Moment konnte
ich nur sagen: Ja, ich bin gegen die Revolution
und auch für die Revolution.
Ich spürte plötzlich beißende Schmerzen an
meinem rechten Arm. Der Arm blieb für einige
Augenblicke kraftlos.
Ich konnte es nicht mehr aushalten. Unter Tränen
sagte ich: Warum schlägst du? Was willst du von
mir?
Er wurde zorniger und packte mich am Kragen und
begann mir einige Schläge ins Gesicht und auf
den Rücken zu verpassen. Brüllend schrie er:
Halt den Rand, verspotte mich nicht!
Mir blieb nichts anderes überig, als den Kopf
zwischen den Händen zu verstecken. In diesem
Augenblick kam derjenige, der die ganze Zeit in
der Ecke still gestanden hat, näher und sagte zu
dem Vernehmer: Lass ihn los.
Der Vernehmer ließ mich in Ruhe und rief den
Wachtmann, der auch die Vernehmungszelle
beobachtete: Nimm ihn zum Händewaschen weg.
Während ich aufgestanden bin, um mir in
Begleitung des Wachtmannes die Hände zu waschen,
sah ich Jamschir vor mir stehen.
Dieses Mal konnte ich zwei dünne Beine sehen. Er
hatte Stiefel angehabt. Ich hatte das Gefühl,
sein «Stehen» kommt mir bekannt vor.
Der Wachtmann riss mich aus meinen Gedanken. Ich
musste mitgehen. Ich konnte nur vor mir her
sehen. Tappend ging ich mit dem Wachtmann einen
langen Flur entlang, zum Hände waschen. Seit ich
das Vernehmungszimmer verließ, stürzte ich mich
in eine erstaunliche und verblüffte Lage.
Der Schatten jenes Fremden, der in der
Zimmerecke stan, lastete in mein Gedächtnis. Ich
konnte mich nicht konzentrieren. In meinen
Gedanken schwammen ungewöhnliche Dinge. Kaum
beschäftigte ich mich damit, verschwanden sie
aus meinem Gedächtnis.
Als ich das Ende des langen Gangs erreicht habe,
schob mich der Wachmann in den Waschraum. Er
nahm mir die Augenklappe ab und gab zu verstehen,
dass ich nicht nach hinten gucken sollte.
Im Waschraum fühlte ich mich ohne Jamschid
erleichtert.
Die Tonnen Last, die meine Gedanken bedrückten,
sind Zerschmolzen und weggegossen worden.
Im verblendeten Licht, welches zum Schmerzen
meiner beiden Augen führte, konnte ich einen
Blick in die Umgebung werfen. Ich war froh, aus
der Dunkelheit befreit worden zu sein.
Trotz des unausstehlichen Geruchs im Waschraum
habe ich mir das Gesicht und die Hände gewaschen.
Das kalte Wasser führte zur Erfrischung, meines
bis dahin, leidenden Zustandes.
Beim Händetrocken ging ich hin und her.
Aus dem kleinen Fenster sah ich die
herumfliegenden Vögel.
Seufzend war ich mit meinen Gedanken beschäftig.
Die Vergangenheit war plötzlich aus dem
Gedächtnis verschwunden, als der Wachmann
klopfte und mich zum Mitgehen aufforderte.
In Begleitung des Wachmanns betrat ich die
Vernemungszelle und nahm auf dem Stuhl Platz.
Die Vernehmer saßen auf dem Bett.
Der andere war aber nicht mehr da.
Wir sind mit dir schon fertig. Du kannst deine
Familie anrufen, um dich abzuholen. Vorher musst
du aber das geschriebene Protokell
unterschreiben. gab der zweite Vernehmer zu
verstehen.
Er schob eine Akte vor mich.
Er wollte, dass ich die Augenklappe etwas nach
oben setzte, um besser lesen und unterschreiben
zu können.
Das maschinell, vorgedruckte, geschriebene
Protokoll. sah wie ein Formular aus.
Ich sagt nichts. Das heißt, ich konnte nichts
sagen. Da ich schnell dort weggehen wollte, habe
ich unbedachtsam das Protokoll unterschrieben.
Der erste Vernehmer sagte: Das Protokoll enthält
meine vollständigen Aussagen, kein Wort mehr,
kein Wort weniger. Seine Stimme war auch ein
bisschen freundlicher.
Ich hatte aber gehört, dass man sich nicht vor
einem freundlichen Vernehmer fürchten muss.
Der zweite Vernehmer hat das protokoll an sich
genommen und in die Akte gelegt. Ich fragte mich,
was mit mir geschehen sollte.
Der erste Vernehmer meinte: Einige tage später
wirst du nach Wakilabad gebracht.
Dort wird das Revolutionsgericht deine Akte
überprüfen und entscheiden.
Nachkem sich die beiden Vernehmer unterhielten,
sagten sie, dass sie eine positive Befürwortung
ihrer Stellungnahme in der Akte abgegeben haben.
Der religiöse Richter wird dies bestimmt
berücksichtigen.
Die beiden plapperten ununterbrochen und
sprachen in gutem Ton von mir. Der erste
Vernehmer sagte: Es bleibt nur ein kleines Thema,
welches aufgeklärt werden muss. Kaum war er mit
seinem Satz zu Ende, übermahnte mich eine fremde
Angst. Neine Füße begannen zu zittern.
Vor angst konnte ich meinen Speichel nicht mehr
herunterschlucken.
Mühsam fragte ich : Welches Thema?
Beide blieben still. Einige Augenblicke später,
bis der erste Vernehmungsrichter sagte, dass der
zuständige Haftrichter die ’’Tazir’’ verkündet
habe und das wir es überhaupt nicht soweit
kommen lassen wollten. Haji(2) der
religiöse haftrichter, soll sein Urteil zuvor
verkündet haben, deshalb konnten wir daran
nichts ändern.
Für einige Augenblicke war ich nicht imstande,
die Worte dieser beiden Vernehmer zu verstehen.
Seufzend fragte ich: Natürlich war die Strafe
zuerst: ’’Hadd’’(3)
Da wir eine gute Stellungnahme zu deinen Gunsten
abgegeben haben und einer der Brüder dich kennt
und vermittelt hat, hat ‚’’Hajagha’(4)
sein Urteil um einen Grad gemildert. Er hat aber
sein Urteil nicht rückgängig gemacht.
Schließlich gilt das Urteil eines religiösen
Richters, als das Urteil Gottes und wird nicht
aufgehoben.
Ich war sprachlos und konnte nichts sagen. Diese
Mitteilung führte mich in die Richtung der
Gedankenlosigkeit.
Kennst du den Unterschied zwischen ‚’’Hadd’’ und
‚’’Tazir’’, fragten mich die beiden. Ich sagte
nichts. Ich konnte weder etwas sagen, noch
wollte ich etwas wissen.
Das ‚’’Hadd’’ muss vollständig ausgeführt werden,
selbst wenn der Verurteilte unter den Hieben der
Peitsche sterben würde.
Beim ‚’’Tazir’’ kann die Auspeitschung
ausgesetzt werden, wenn der Verurteilte
ohnmächtig werden würde.
Auch dieses Mal habe ich kein Wort gesagt. Da
beide bemerkten, dass ich schweige, gingen sie
fort. Es kamen aber zwei Wächter, die mich
aufgefordert haben, mitzugehen. Ich war aber
karftlos, aufzustehen und mitzugehen. Die beiden
Wächter halfen mir und nahmen mich in einen
Keller mit. Es sah aus wie ein Heizungsraum. Sie
öffneten eine Kiste und legten mich mit Gewalt
hinein. Ich wusste, dass man zu solchen Kisten
‚’’Sarg’’ sagte. Aus dieser Kiste ragten nur
meine Füße und mein Gesicht heraus.
Einer der beiden nahm mir den Pantoffel und die
Strümpfe ab. Aus Angst schloss ich meine Augen
und hielt den Atem in der Brust an.
Ich dachte gleich an Kamal, der gesagt hat: Man
muss sich nicht erschrecken lassen. Mann bekämme
nicht alle Hiebe. Jedes Mal bekommt man
10
Hiebe, so der Kamal. Die ersten vier Hiebe
schmerzen fürchterlich. Dann wird alles
unempfindlich. Du wirst nicht mehr merken. Du
hörst nur die stimme des Herunterkommens der
Peitsche die, die Atmosphäre zu kneifen bedroht.
Die quälenden tage sind verstrichen. Plötzlich
spürte ich einen brennenden Schmerz an meinen
Fußsohlen. Ich dachte, dass mich der Strom
erfasst hätte. Obwohl der Schmerz verheerend
war, konnte mein Geschrei in der Kehle erstickt
bleiben.
Ich suggerierte mir selbst, den Schmerz
aushalten zu können. Beim zweiten Hieb zog ich
die Füße zusammen und schrie. Mein Fußknöchel
berührte die kante des Sarges und wurde
verletzt.
Während ich im Sarg laut schrie und um mich
schlug, ist die Augenklappe weggerutscht. Ich
konnte sehen, wer mich auspeitscht. Er war klein,
dunkel und bärtig. Beim öffnen des Mundes konnte
man siene krummen und hässlichen Zähne sehen.
Der dritte Hieb war so schmerzhaft, als ob mein
Rückenmark getroffen worden wäre.
Ich wartete, bis mein Körper unempfindlich wird.
Um nichts zu verspüren. Durch den vierten Hieb
geriet ich in Wallung.
Mir wrude schwindelig. Ich sah alles dunkel.
Nichts konnte ich fühlen. Vor lautem Schmerz
vergaß ich, wer und wo ich bin. Ich sah mich im
Himmel fliegen. Die Erinnerung an das
Herumspielen mit den Jungs in unserem Hof ging
ständig in mein Gedächtnis. Ja, Kamal war auch
dabei.
Abdi lief immer zu Fuß. Seine dünnen Beine waren
ein Grund, sich zu schämen. Damit Abdi sich
aufgrund dessen nicht gekränkt fühlt, haben wir
auch unsere Schuhe ausgezogen. Wir haben
miteinander gewettet, Wer mehr mit der Droschke
fährt.
Durch die Innenstadt haben wir solange gebummelt,
bis wir eine Droschke gefunden haben. Als der
Droschke – Führer den Blick auf die andere
Straßenseite warf, sprangen wir auf das
Trittbrett am hinteren Teil der Droschke.
Nachdem der Droschke – Führer uns ins Visier
nahm, schlug er mit seiner Peitsche in Richtung
Kamal. Er reagierte nicht.
Den nächsten Schlag bekam ich. Ich schrie vor
lauter Schmerz.
Bevor die nächste Peitsche uns erreichen konnte
begann Abadi, aus Angst, zu flehen und zu weinen.
Er jammerte so flehend, dass sich der Droschke –
Führer erbarmte und anhielt. Kamal und ich sind
weggelaufen. Abdi ist ertappt worden.
Aus der Entfernung sahen wir, dass der Droschke
– Führer, Abdi am Kragen festhielt und ihn
schlagen wollte. Mit Steinen und Erdklumpen sind
wir zurückgekehrt und haben den Droschke –
Führer bedroht. Er ließ ihn auch laufen.
Oh, welche Tage waren dies, einer davon war der
Tag an dem Kamal erschossen wurde. Abdi betrat
mein Zimmer. Es war Winter.
Durchgehend regnete es. Der Boden war weiß
bedeckt.
Abdi war blass und eingeschüchtert. Er zitterte.
Bewegt schrie ich ihn an: Ist das die Ideologie,
von der du geredet hast? Er sank den Kopf und
sagte: Du kannst vielleicht Recht haben, ich bin
aber sicher, dass dieses Regime an nichts
abhängig ist.
Wenn dieses Regime die Gegner beseitigt, hängt
damit zusammen, dass sie die Armen an das
Erreichen ihrer Ziele hindern. Ich erwiderte:Die‚’’Mostazafan’
(5) Willst du sie sehen?
Ja, Wir sehen sie jeden Tag. Meine Familie,
Freunde. Nachbarn. Sie sind alle arm.
Erst habe ich ihn angelacht. Ich nahm dann seine
Hand und wir gingen zusammen zu den Arbeitern
der Ziegleifabrik. Von dort begaben wir uns auf
den Weg nach Halabiadad. Nach Golschahr,
Kolschun, Seyedi und nach Daravi. Orte und
Wohngebiete derer, die aussehen wie der
Müllabladeplatz, Er, Abdi, begann zu weinen.
Wir sind dann zum Reza-Friedhof gegangen. Die
Totengräber hatten die Hände voll. Sie gruben
hastig, um Kamal im Lanatabad–Friedhof
(6)
zu verscharren. Einem der Totengräber gab ich
500
Tuman, damit deiser Kamal neben den anderen
Toten begräbt. Ich wollte das, dass Grab von
Kamal mit einem Grabstein versehen wird.
Abdi sagte: Was willst du damit bezwecken, Kamal
war doch ein Partisan und Atheist. Ich schrie
ihn an und sagte, dass wir abgemacht haben,
einander nicht allein zu lassen. Ich merkte
gerade, dass wir unterschiedliche Ziele hatten.
Ich fuhr weiter fort: Geh und baue dir eine
bessere Existenz, damit deine Hände nicht mit
dem Blut anderer besudelt werden.
Aber ich könnte nicht, betonte Abdi. Ich (Abdi)
habe Verpflichtungen. Vielleicht wird an der
Front mein Gewissen erleichtert werden,
vielleicht kehre ich auch nicht zurück.
Durch das kalte Wasser das die Folterer mir ins
Gesicht gegossen haben, kam ich wieder zu mir.
Ich öffnete die Augen. Ich sah die Folterer, die
sich gebückt hielten, um mir Wasser ins Gesicht
zu werfen. Als sie merkten, dass ich wieder zu
mir gekommen war, forderten sie mich auf, mir
die Augenklappe vor die Augen zu halten. Meine
Fußsohlen schmerzten fürchterlich und zirpten.
Ich war so durstig, dass meine Zunge den Gaumen
berührte.
Ich hielt die Augenklappe vor die Augen und
verlangte nach Wasser. Einer der Folterer
antwortete: Wasser ist für dich schädlich .
Dahurch wirst du eine Nierenentzüdung bekommen,
erwiderte der Folterknabe. Schleppend brachten
sie mich in die Einzelzelle. Nun konnte ich die
Augenklappe abnehmen.
Die Zelle war klein. Dort stand ein kleines Bett
und ich bedeckte mich mit einer Hausdecke. Von
der Kälte bekam ich Gänsehaut. Die brennenden
Schmerzen an den Fußsohlen waren verheerend.
Trotz dieser unbeschreiblichen Leiden fühlte ich
mich in diesem Moment beruhigt. Für den Moment
befand ich mich aus der Gefangenschaft der
Finsternis gerettet. Liegend, blickte ich starr
in die Richtung des Himmels. Plötzlich entsann
ich mich, an die dünnen Füße des Stiefelträgers.
Meine Gedanken sind wieder zerstört.
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2 -
jemand der eine Pilgerfahrt nach Mekka gemacht
hat
3
- Harte strafe
4 -
jemand der eine Pilgerfahrt nach Mekka gemacht
hat
5 -
die Armen
6 -
Friedhof für Ausgestoßene
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