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Analyse der
letzten 100 Jahre
Das Dominospiel
Die
Machtposition der Fundamentalisten im Iran war
der Beginn einer neuen Epoche zur Vernichtung
zahlreicher kämpferischer Intellektuellen und
Schriftsteller.
In
diesen Jahren wurden neben der Niederschlagung
der politischen Parteien und Massenhinrichtung
der Kämpfer und Revolutionäre, viele der
Querdenkenden und Gebildeten, die sogar in dem
früheren Regime ihre Meinung äußern konnten, der
Reihe nach entweder in den Gefängnissen
hingerichtet oder sie sind bei einem
Scheinunfall ums Leben gekommen oder aber
infolge der Schmerzen oder Krankheiten, die sie
bislang nicht gehabt haben, gestorben.
Die
Zeitungen berichteten ständig von den
plötzlichen Suchtkrankheiten derer, die bislang
nicht mal eine Zigarette geraucht haben und
infolgedessen an Herzversagen gestorben sind
oder von den Autounfällen, in denen der Getötete
nie ein Auto oder einen Führerschein besessen
hat.
Said
Soltanpour war eines der ersten Opfer dieses
tödlichen Spiels. Die Fundamentalisten haben ihn
in der Nacht aus seiner Wohnung hinausgezogen
und ihn ohne Gerichtsverhandlung erschossen.
Kurze
Zeit später wurde Rahman Hatefi, ein Journalist,
der seit geraumer Zeit und auch nach der
Revolution bei der Zeitschrift
»Ayandegan« beschäftigt war, verhaftet und im Towhid-Gefängnis unter Folter
ermordet.
Die
Fundamentalisten haben dann im Heizraum des
Evin-Gefängnisses mit dem Galgenstrick den
Epiker und Verfasser von
»Hammaseh
Dad«
(Eptik), Farajollah Mirzai, gehängt und ihm
sein Leben genommen.
Schließlich haben die Mörder dieses großen
Epikers seinen Mitkämpfer, den bekanntesten
Übersetzer der politischen Geschichte des Iran,
Herrn Pourhomozan, am Galgen aufgehängt.
Dieses
Spiel hat einen beschleunigenderen Lauf
erreicht. Ali Dashit, Verfasser des Buches
»23
Jahre«,
wurde im Alter von 97 Jahren unter Folter
umgebracht.
Dann
wurde Amirani, Chefredakteur der Zeitschrift
»Khandeniha«
verhaftet und hingerichtet. Sein Vergehen
lautete: Er war mit dem Schah – Regime
einverstanden.
Das
Schicksal des Generalsekretärs der Gesellschaft
der iranischen Moslems, Herr Dr. Kazem
Sami-Leider, ist sehr mysteriös.
Die
Berufskiller, die
»Lebas
SchakhsiL»
(1)
sind
am helllichten Tag in seine Praxis eingedrungen
und haben ihn bestialisch umgebracht. Der
Terroranschlag auf Dr. Kazem Sami war ein Anfang
der Kettenmorde
(2)
im inneren Land.
Niemand konnte wie Said Sirjani die
Fundamentalisten beunruhigen. Er hat mit seinem
Scherzbuch
»Scheikhe
Sanan« den krankhafter Ehrgeiz und die Machtsüchtigkeit der Mullas
kritisiert und entehrt. Aus diesem Grund wurde
er inhaftiert und als Abtrünniger zum Tode
verurteilt.
Ahmad
Tafazolli, Schriftsteller, Uni-Professor und
bekannter Wissenschaftler, wurde auf einer der
Teheraner Straßen getötet. Seine Leiche wurde
neben seinem Auto gefunden. Sein Leichnam wies
mehrere Beinbrüche auf. Der Schlag eines
Brecheisens auf seinen Kopf hat den Tod
herbeigeführt.
Einige
Zeit später wurde die Leiche des Journalisten
und Verlegers Herrn Ebrahim Zalzadeh, der einen
Monat zuvor auf der Straße entführt worden war,
in
»Yaftabad«,
im Süden Teherans, gefunden.
Dieses
Mal wurde bekannt gegeben, dass Piriuz Davani,
Schriftsteller und aktiver Politiker,
verschwunden sei. Nachdem später seine Mörder
identifiziert wurden, wurde ermittelt, dass die
Mörder ihn in eine konspirative Wohnung geführt,
bestialisch gefoltert, getötet und seine Leiche
im Melatt-Park verscharrt haben.
In den
übrigen Städten herrschte verhältnismäßig
derselbe Zustand.
Der
leblose Körper des Ahmad Miralai, des
Übersetzers und Schriftstellers, wurde an einer
Straßenecke in Isfahan aufgefunden. Obwohl
bekannt wurde, dass sein Tod auf den
Alkoholkonsum zurückzuführen ist, hat das
gerichtsmedizinische Gutachten aber gezeigt,
dass man ihm eine größere Menge Alkohol durch
die Handarterien in seinen Körper injiziert
hatte.
In der
Stadt Kerman wurden Hamid Hajizadeh, der
Dichter aus Kermann und sein 10-jähriger Sohn
Karoun mit Messerstichen getötet.
In der
Stadt Meschhed kam Herr Barazandeh, einer der
nationalen und religiösen Aktivisten, der den
Abendvortrag verließ und nach Hause gehen
wollte, nie heim.
Am
nächsten Tag wurde seine Leiche auf einem
Fußgängerweg gefunden.
In Hamedan wurde Herr Rostami, ein
Mitdenker des Pirouz Davani, ermordet. Man hat
seine Leiche in der Nähe seiner Wohnung
gefunden.
Einige
Schriftsteller und Intellektuelle, die im
Ausland gelebt haben, haben im Zusammenhang mit
den verlockenden und arglistigen Versprechen der
Fundamentalisten den Entschluss gefasst, in das
Heimatland zurückzukehren.
Sie
ahnten nicht, dass sie in die Falle der
dämonischen Skorpione geraten würden.
Die
Erwähnung eines einzigen Beispiels zeigt die
Tiefe der Tragödie.
Herr
Ghaffar Hosseini vom Schriftstellerverband hat
beschlossen, nach langem Verbannungsleben in das
Heimatland zurückzukehren. Kaum war er da, fand
man seine Leiche in seiner Wohunug.
Während die einen gejagt wurden, gelang es aber
den anderen, mit dem Leben davonzukommen.
Als
beispielsweise eine Gruppe (31Personen) von
Schriftstellern mit einem Bus nach Armenien
fahren wollten, beabsichtigten die Verbrecher,
den Bus samt den Passagieren in das Tal
»Heiran« zu stürzen. Die Wachsamkeit einiger Schriftsteller und des
Busfahrers hat die Ausführung dieses Planes
vereitelt.
Einige
Zeit später wurde Faraj Sarkouhi, Jounalist und
bekannter Schriftsteller, auf der Einreise nach
Deutschland entführt. Der internationale Druck
einerseits und die Proteste der Intellektuellen
und der unterrichteten Menschen andererseits
haben zur Rettung des Lebens dieses
Schriftstellers beigetragen.
Abbas
Maroufi, der namhafte Schriftsteller und
Chefredakteur der Illustrierten
»Gardoun,«
gelang es nach mehrmaligen Verhaftungen und
Foltern bei einer günstigen Gelegenheit in die
Bundesrepublik Deutschland zu fliehen.
Trotz
des kontinuierlichen Verschwindens und der
mysteriösen Tode aller liberalen und kundigen
Menschen überhitzten, also in die Unwissenheit
versetzten, begannen die Verbrecher, die
Schmetterlinge zu verjagen. Diese (Parvaneha)
sind diejenigen, deren glänzendes Zeugnis in
Verbindung mit dem Patriotismus und dem
Liberalismus volle Anerkennung beinhaltete. Die
erbarmungslosen und steinherzigen Jäger sind in
der Nacht in ihre Wohnung eingedrungen und haben
das greise Ehepaar Dariousch und Parvaneh
Forouhar mit einem Dolch bestialisch
hingerichtet. Während die Mörder dachten, dass
sie unerkannt davongekommen sind, ist die
Kassette, auf der das Gespräch der Mörder
aufgenommen worden ist, aufgetaucht und alles
enthüllt worden. Auf dieser Kassette war ein
Telefongespräch, welches vom Festnetz des Opfers
mit einem Mobil stattgefunden hat, aufgezeichnet
gewesen. Das Gespräch beinhaltete unter anderem:
Mein
»Herr«,
die Sache ist erledigt. Wir mussten auch seine
Frau erledigen.
Es war
keine andere Lösung. Sie (Parvaneh) hat uns
gesehen.
Kaum
waren einige Tage seit Begehen dieser gruseligen
Tat vergangen, musste erst ein
gerichtsmedizinisches Gutachten die Identität
des leblosen Körpers des Majid Scharif, des
Schriftstellers und Theologen, der zwecks
Morgensport sein Haus verließ und nie mehr
zurückkehrte, feststellen.
Einige
Monate später hat Mohammad Mokhtari,
Schriftsteller, Dichter und Mitglied des
Schriftstellerverbandes, der am meisten für
Freiheit plädierte und die Herrschaft der
Fundamentalisten beanstandet hatte, sein Haus
zwecks Einkaufens verlassen.
An
diesem Tag haben die in Zivil verkleideten
Personen (Lebas Schakhsiha) ihn entführt und grausam
ermordet.
Genau
10 Tage später fiel das Unglück auf den Namen
des Herrn Mohammad Jafar-Pouyandeh. Herr
Jafar-Pouyandeh war ein harter Gegner der
Strafen und des Todesurteils und hat dieses als
Anti-Menschenrechte betrachtet.
Die
Mörder haben nicht die geringste Angst bekommen,
ihn zu töten. Sie erschraken auch nicht davor,
seine Leiche, nachdem sie ihn mit einem Seil
erwürgt hatten, im Dorf
»Badamak Schahriyar«
liegen zu lassen.
Während die Guillotine der Verbrecher ihre
Arbeit fortsetzte, kam
durch die Reformisten und die Studenten und
Jugendbewegung sowie durch die Wachsamkeit der
Bevölkerung alles ans Licht und die
Fundamentalisten wurden verpfiffen.
Sie,
die Fundamentalisten, haben arglistig nur einige
der Mörder, die nichts anderes waren als
Schachfiguren, beseitigt, damit sie ihr
entehrtes Leben weiter fortsetzen können.
Obgleich die Fundamentalisten nicht mehr wie
früher offensichtlich Verbrechen begehen
könnten, setzen sie trotzdem die Inhaftierung
zahlreicher Schriftsteller, Querdenker,
Jounalisten und der Kämpfer der Freiheit
weiterhin fort.
Sie
schrecken sogar vor keinem Verbrechen zurück.
Der Mord an Zahra Kazemi, der iranischen
Journalistin, die heldenhaft versuchen wollte,
das hässliche Gesicht der Fundamentalisten und
deren Greueltaten an die Öffentlichkeit zu
bringen, ist ein offenbarer Beweis der
Verbrechen dieses entsetzlichen Regimes.
Solange die Schriftsteller und die Querdenker
verdächtigt, verfolgt, inhaftiert, gefoltert und
sogar ermordet werden, hat die wahre Demokratie
und die Meinungsfreiheit keine Bedeutung.
In
solchen Fällen, wenn von der Demokratie und
Pressefreiheit geredet wird, wird archiarisch
verfahren.
Das
Verfahren in diesen Zusammenhängen lautet
meistens Entführung, Inhaftierung, Folter, ein
nicht begangenes Vergehen zugeben,
Auspeitschungen und letztendlich mit dem Tod
rechnen.
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